Sonntag, 11. April 2010

Eine französische Katze

"Es ist noch gar nicht lange her, da reisten mein Mann Gene und ich mit dem Mietwagen durch Europa. Wir fuhren auf Nebenstrecken und übernachteten in malerischen Gasthöfen abseits des Wegs. Der einzige Wermutstropfen auf dieser wunderbaren Reise war die schreckliche Sehnsucht, die ich nach unserem Kater Perry hatte. Ich vermisse ihn jedes Mal, wenn wir verreisen, aber auf dieser Reise, die länger als drei Wochen dauerte, war mein Bedürfnis, ihn im Arm zu halten und sein weiches Fell zu streicheln, fast unerträglich. Jede Katze, die uns über den Weg lief, verstärkte noch dieses Gefühl.

Eines Morgens waren wir hoch in den französischen Bergen und packten gerade unser Auto für die Weiterreise, als ein älteres Ehepaar auf das Auto zulief, das neben uns stand. Die Frau hatte einen großen siamesischen Kater im Arm und sprach mit ihm auf Französisch.

Ich bleib stehen und beobachtete sie. Meine Sehnsucht nach Perry war mir wohl ins Gesicht geschrieben. Die Frau blickte mich an und sprach zu mit ihrem Mann und ihrem Kater. Dann kam sie direkt auf mich zu und hielt mir, ohne ein Wort zu sagen, ihren Kater hin.

Ich nahm ihn sofort in den Arm. Im ersten Moment fuhr er aus Vorsicht seine Krallen aus, denn er war es nicht gewohnt, von einer Fremden gehalten zu werden. Aber dann zog er sie wieder ein, schmiegte sich an mich und begann zu schnurren. Ich vergrub mein Gesicht in seinem weichen Fell, während ich ihn sanft hin und her schaukelte. Danach gab ich ihn - noch immer wortlos - der Frau zurück.

Ich lächelte sie dankbar und mit Tränen in den Augen an. Die Frau hatte gefühlt, dass ich gerne ihren Kater in den Arm nehmen würde, und der Kater hat gespürt, dass er mir trauen konnte. Und so haben beide nach ihrem Gefühl gehandelt und mir damit ein großes Geschenk gemacht.

Gut zu wissen, dass die Sprache der Katzenliebhabern - und der Katzen - auf der ganzen Welt verstanden wird."
Jean Brody

Aus: "Hühnersuppe für die Seele - Für Tierfreunde"
Jack Canfield / Mark Victor Hansen

Klappt auch bei Menschenliebhabern und Menschen! Wetten?

Paulinchen

1 Kommentar:

  1. Tja, wenn ein Tier dabei ist, werden die Leute gleich viel menschlicher.

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