Freitag, 25. September 2009

Warum ich trotz all meiner Bedenken LINKS wähle


Bis zur Wahl 1994 wählte ich CDU. Nicht aus Überzeugung, denn von Politik, Parteien und dem drum herum, hatte ich absolut keine Ahnung. Politische Bildung ~ Null.
1998 wählte ich die SPD, 2002 Wahl verweigert und 2005 die WASG.

Mein Lebensweg begann im Jahre 1950 in München und ich wurde - wie jeder andere auch - von meinem Umfeld geprägt, auch in politischer Hinsicht. Ich hatte das Glück von frühesder Kindheit an durch viele verschiedene Hände zu gehen: Mutter, Kinderheim, Pflegeeltern, Kinderheim, Mutter, Erziehungsheim. Wie unterschiedlich der Umgang von Menschen mit Menschen ist, lernte ich dadurch schon sehr früh kennen. Was jedoch immer konstant blieb, war die politische und religiöse Einstellung der Menschen, denen ich anvertraut war. Die katholische Kirche erschütterte meinen Glauben derart, dass ich mich, mit etwa 18 Jahren, entschloss diese zu boykottieren. Mit 35 Jahren zog ich dann einen Schlussstrich und trat aus.

Die politische Konditionierung war mir allerdings nicht bewusst. Erst jetzt während ich diesen Eintrag schreibe, wird mir die Tragweite dieser Einflussnahme klar. Zur Veranschaulichung dessen was ich meine, folgendes Erlebnis:
1969 wurde Willi Brandt Bundeskanzler. Ich war gerade mal 18 Jahre, noch nicht Volljährig und ich erstarrt in panischer Angst und war mir sicher, dass jetzt "Der Russe" kommt. Nun, wie jeder weiß, "Der Russe" kam nicht.

Ich fiel jedoch in einen politischen Tiefschlaf und wählte - wenn ich die Wahl nicht aus irgendeinem Grund verpasste - die CDU. Dass mir absolut nicht klar war, was "Wählen gehen" bedeutet, mag folgende Begebenheit verdeutlichen:
Den Wahlsonntag 1980 verbrachte ich mit meiner Freundin bei mir. Unsere Wohnungen lagen etwa 30 km auseinander. Schon bei der Verabredung war unser fester Vorsatz, uns rechtzeitig zu trennen, damit meine Freundin noch ihr zuständiges Wahllokal erreichen würde. Jedoch es kam wie es kommen musste, irgendwann stellten wir fest; jetzt ist es zu spät für meine Freundin. "Ist doch nicht schlimm", sagte ich, "du wählst die SPD, ich die CDU, also gehe ich auch nicht, dann gleicht sich das wieder aus." Ich schlief noch weiter 12 Jahre, wobei ich allerdings einige Male blinzelte, so wie es beim Erwachen geschieht, Mensch aber nicht bereit ist aufzustehen. Etwa 1995 spielt mir der "Zufall" ein Buch in die Hände, dessen Inhalt mich unsanft und nachhaltig aus meinem Schlaf riss.

Seit dieser Zeit recherchiere ich was das Zeug hält, sehr zum Leidwesen meines privaten Umfeldes. Meine Einstellung zu mir und der Welt hat sich seither gewandelt und ist weiter im Wandel. Ich werde nicht müde meine Meinung kund zu tun und mir andere Meinungen anzuhören, um dann meine Meinung wieder zu überprüfen, um das eine oder andere zu integrieren oder zu ersetzen.

Gestern stolperte ich bei Kriegspostille und womblog in zwei Artikel, welche für "Nichtwählen" plädieren. Nun, mit dieser Option habe ich mich vor Jahren auseinandergesetzt und darüber einen Kommentar bei Kriegspostille hinterlassen.

Ich habe mich nun entschieden "Die Linke" zu wählen. Es ist meine feste Überzeugung, dass nur eine starke Linke uns die nötige Zeit verschaffen kann, welche wir benötigen um Alternativen zum jetzigen System zu finden.

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich kein Mitglied der Linkspartei bin. Ich habe gegen alles was nach Vereinsmeierei riecht eine starke Aversion.

Ich wünsche uns allen für unser Vorhaben "Alles Glück der Welt"
Möge die Macht mit uns sein.

Kommentare:

  1. Es ehrt dich sehr das du zu den wenigen gehörst, die aufstehen um etwas zu verändern. Allerdings bin ich bei der Wahl der Linkspartei, aus bereits genannten Gründen, absolut anderer Meinung.

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  2. @ Xuchilbara,

    der Eintrag auf den Du wartest, kommt ganz gewiss. Im Moment bin ich jedoch mit anderem beschäftigt.
    Danke für Deine Geduld.

    Liebe Grüße
    Margitta

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