Donnerstag, 2. Juli 2009

Wir sind Deutschland

Wir sind Deutschland! Wir sind Papst! Wir sind Weltmeister!

Ja gehts noch?, möchte ich mit Hagen Rether sagen. Ist im Oberstübchen noch jemand zu Haus?

Als ich das erste Mal im Fernseher mit der Kampagne: "Du bist Deutschland" konfrontiert wurde, konnte ich nicht glauben, was ich da sah und hörte. Es präsentierte sich mir ein Filmchen und Menschen sagten Sätze wie: "Du bist die Hand! Du bist 82 Millionen! Du bist die Anderen! Du bist die Flügel! Du bist der Baum! Du bist der Laden!"
Ich starrte ungläubig in den Fernseher und verstand ??? "Bahnhof"

Laut sage ich in den Raum: ICH BIN MARGITTA, habe eine Hand, lebe in Deutschland mit 82 Millionen Einwohnern, pflege Kontakt mit Anderen, versuche meinem Geist Flügel zu geben, erfreue mich an jedem Baum und gehe in den Laden einkaufen.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so ein Satz einmal ein geflügeltes Wort werden würde. Es ärgert mich jedesmal, wenn ich diese verblödenden Sätze höre oder lese, egal in welchem Zusammenhang. Die ständige Wiederholung dieser Aussagen gibt ihnen Substanz. Im Mülleimer ist meiner Meinung nach der angemessene Platz solcher Worte.

Anstatt unsere Mitmenschen zu ignorieren, sollten wir derlei Mitteilungen überhören, denn sie dienen nur der Manipulation und nicht wie suggeriert wird dem "Wir-Gefühl"

Kommentare:

  1. Da kommen die Westfalen zum Vorschein.
    Hagen Rether find ich auch ganz toll. Das Gammelfleisch liegt nicht auf dem Teller sondern auf dem Sofa vor dem Fernseher :-)

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  2. Es erreichte mich per Mail ein Kommentar von aebby, den ich gerne an seiner Stelle veröffentliche.

    Dieses "Wir sind..." ersetzt für viele - so befürchte ich - die Fähigkeit zu sagen "Ich bin..." Dieses Wir sind... ärgert mich und macht mich traurig zugleich.

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  3. Nein, ich denke, das "Wir" ist umso nötiger denn je. Es ist das nicht erklärte Ziel der Eliten ein "Ich" zu schaffen, an dem der "einfache" Mensch scheitert, scheitern muss und soll, Und somit bleibt nichts mehr, weder das "ich" noch das "wir", sondern nur noch Isolation und Angst - und dann sind wir da, wo die Springers, Mohns, Ackermanns uns haben wollen: Misstrauen unserem Nächsten gegenüber - die Grundlage jeglicher sozialen Kontrolle.
    Nein, das "wir" aus Freiheit und Brüderlichkeit geboren kann nur ein Gutes sein.

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  4. Hallo @ Rainer Thomas, herzlich willkommen hier und danke für die Verlinkung.

    Ja, ich stimme Dir zu. Das "Wir" ist eine wichtige Grundlage einer Gesellschaft. Um dem "Wir" nützlich zu sein, muss sich allerdings erst einmal ein gesundes ICH entwickeln.

    Sätze wie: "Wir sind Deutschland! Wir sind Papst! ...", zielen meines Erachtens nicht darauf ab, die Gemeinschaft zu stärken. Aussagen dieser Art eignen sich eher dazu auf andere herabzusehen, nach dem Motto: "Wir sind die größten."

    Liebe Grüße
    Margitta

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