Mittwoch, 12. August 2009

Mit den Augen eines Kindes

Nach den Ferien fragte die Lehrerin ihre kleinen Schüler, wie sie die Ferien verbracht hätten. Ein Junge antwortete Folgendes:
"Weihnachten sind wir immer bei Oma und Opa. Früher wohnten sie hier bei uns in einem großen Backsteinhaus, aber Opa wurde abserviert, und jetzt sind sie nach Florida gezogen. Sie wohnen in einem Park mit vielen anderen abservierten Leuten. Sie wohnen alle in Konservenbüchsen und fahren Dreiräder, die zu groß für mich sind.
Sie gehen alle in ein Gebäude, das sie den alten Schuppen nennen, aber jetzt ist er repariert. Sie spielen ein Spiel mit großen Schachfiguren und schieben sie mit Stäben auf dem Boden herum. Es gibt einen Swimming-Pool, aber ich glaube, niemand bringt ihnen das Schwimmen bei; sie stehen einfach im Wasser und haben dabei die Hüte auf.
Früher hat meine Oma für mich Kuchen gebacken, aber dort kocht niemand. Sie gehen alle in Restaurants, in denen es schnell geht und sie sich selbst bedienen müssen, damit es billiger wird. Wenn man in den Park kommt, ist da ein Spielzeughaus, in dem ein Mann sitzt. Er passt den ganzen Tag auf, damit sie nicht herauskommen, ohne dass er sie sieht. Ich glaube, sie vergessen immer wieder, wer sie sind, denn sie tragen alle Schildchen mit ihrem Namen.
Oma sagt, dass Opa sein ganzes Leben lang hart gearbeitet hat, um sich seine Abservierung leisten zu können.
Ich wünschte, sie könnten wieder zu uns nach Hause ziehen, aber ich vermute, der Mann im Spielzeughaus lässt sie nicht heraus."
Verfasser unbekannt

Aus: "Hühnersuppe für die Seele Weitere Geschichten, die zu Herzen gehen"
Jack Canfield / Mark Victor Hansen

2 Kommentare:

  1. schöne geschichte. so endet das leben in der leere.

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  2. Das ist die erste Geschichte, die etwas taugt, weil sie nicht romantische Kapitalismuskritik betreibt, also Illusorisches predigt, bloß damit wir uns wohl fühlen.

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