Montag, 1. Februar 2010

Ja was denn nun?


Gäste:

Hans-Olaf Henkel: Ex-BDI-Präsident
Ursula Engelen-Kefer: frühere Vize-Chefin DGB
Arno Dübel: Hartz IV-Empfänger
Nikolaus Blome: Leiter Hauptstadtbüro BILD
Ursula Heller: Moderation

(Zitate: Hans-Olaf Henkel)

Ehrliche Aussage zur Lage am Arbeitsmarkt:

"... Alle Vorschläge mit Ausnahme des Vorschlages von Herrn Koch, der eigentlich nicht umzusetzen ist, weil wir keine Arbeitsplätze haben ..."

Auf die Frage, ob Hartz IV Sätze zu hoch oder zu niedrig sind:

"Nein, also ich würde schon für alle etwas weniger, ich würde die Sätze etwas absenken. Erstens. Zweites, den Druck auf die Dübels erhöhen. Auf die Dübels, nicht auf die anderen. Und Drittens, die Regelsätze für die Kinder erhöhen, aber vor allen Dingen würde ich mich in der ganzen deutschen Diskussion mal auf das Thema, wie schaffen wir Arbeitsplätze, konzentrieren."

Also, ich kann die Gedankengänge des Herrn Henkel nicht nachvollziehen. Einerseits sagt er, es sind keine Arbeitsplätze vorhanden, in die man die Arbeitslosen bringen könnte und andererseits will er die Regelsätze für Hartz IV absenken und den Druck auf die faulen Arbeitslosen, die er "Dübels" nennt, erhöhen. Dann bedauert er, dass nicht mehr über die Schaffung neuer Arbeitsplätze diskutiert wird.

Zu Zeiten, in denen ich Kind war, konnte selbst ein ungelernter Arbeiter eine Familie mit zwei bis drei Kindern von seinem Lohn versorgen. Heute ist es zwingend notwendig, dass beide Elternteile arbeiten gehen, um sich über Wasser zu halten. Viele davon an Arbeitsplätzen, die meiner Vorstellung von Arbeitsplatz nicht im geringsten entsprechen. Das mindeste, was ein Arbeitsplatz nach meinen Vorstellungen erfüllen muss, ist, dass man einen Lohn für seine Arbeit bekommt, von dem man ein menschenwürdiges Leben führen kann. Von dieser Sorte Arbeitsplätze gibt es nicht annähernd ausreichend für alle arbeitsfähigen Menschen in Deutschland. Dies gibt sogar ein Hans-Olaf Henkel zu. So und nicht anders verstehe ich das erste Zitat.

Paulinchen

Samstag, 30. Januar 2010

Zum Lesen, wenn du allein bist

Ich war dreizehn Jahre alt. Meine Familie war vor einem Jahr von Nordflorida nach Südkalifornien umgezogen. Ich knallte mit Macht in die Adoleszenz. Ich war zornig und rebellisch und nahm kaum Rücksicht auf das, was meine Eltern zu sagen hatten, besonders, wenn es mit mir zusammenhing. Wie so viele Teenager mühte ich mich ab, allem auszuweichen, was nicht mit meinem Bild von der Welt übereinstimmte. Als Kind, das "glänzend ohne Führung zurechtkommt", lehnte ich jedes offene Liebesangebot ab. Tatsächlich wurde ich bei der bloßen Erwähnung des Wortes "Liebe" zornig.

Eines Abends stürmte ich nach einem besonders schwierigen Tag in mein Zimmer, verschloss die Tür und ging ins Bett. Als ich mich hinlegte, glitten meine Hände unter das Kopfkissen. Da war ein Briefumschlag. Ich zog ihn heraus. Und auf dem Umschlag stand: "Zum Lesen, wenn die allein bist."

Da ich allein war, würde niemand erfahren, ob ich das nun las oder nicht, also öffnete ich den Brief. Er lautete: "Mike, das Leben ist im Moment schwer. Ich weiß, dass du frustriert bist und ich weiß, dass wir nicht alles richtig machen. Außerdem weiß ich, dass ich dich rückhaltlos liebe, und nichts, was du tust oder sagst wird daran jemals etwas ändern. Ich bin für dich da, falls du jemals das Bedürfnis hast zu reden, und wenn nicht, ist das auch okay. Du sollst nur wissen, das ich dich immer lieb haben und stolz darauf sein werde, dass du mein Sohn bist, egal, wohin du gehst oder was du tust in deinem Leben. Ich bin für dich da und ich hab dich lieb - das wird sich nie ändern. Alles Liebe, Mami."

Das war der erste von mehreren mit "Zum Lesen, wenn du allein bist" betitelten Briefen. Wir redeten nie darüber.

Heute reise ich in der Welt herum, um Menschen zu helfen. Ich hielt in Sarasota, Florida, ein Seminar, als am Ende des Tages eine Dame an mich herantrat und mir von den Schwierigkeiten berichtete, die sie mit ihrem Sohn hatte. Wir spazierten zum Strand hinaus, und ich erzählte ihr von der unerschütterlichen Liebe meiner Mutter und den "Zum Lesen, wenn du allein bist" Briefen. Mehrere Wochen später erhielt ich ein Postkarte, auf der stand, dass sie ihren ersten Brief geschrieben und ihn für ihren Sohn hinterlassen hatte.

Als ich an diesem Abend zu Bett ging, legte ich die Hände unter mein Kissen und erinnerte mich an die Erleichterung, die ich jedes Mal empfand, wenn ich einen Brief bekam: Inmitten meiner turbulenten Teenagerjahre waren die Briefe die beruhigende Versicherung, dass man mich nicht wegen, sonder trotz meines Betragens oder Wesens lieben konnte. Unmittelbar vor dem Einschlafen dankte ich Gott, dass meine Mutter wusste, was ich, ein zorniger Teenager, dringend brauchte. Wenn heute die See des Lebens stürmisch wird, weiß ich: Unter meinem Kissen befindet sich diese beruhigende Versicherung, dass Liebe - unbeirrbare, beständige, bedingungslose Liebe - Leben verändern kann.


Mike Staver, aus: "Hühnersuppe für die Seele - für Mütter", Jack Canfield/Victor Hansen

Freitag, 29. Januar 2010

Bonmot

Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen, in der Meinung, sie passten auch heute noch.
George Bernhard Show

Mittwoch, 27. Januar 2010

Wiegenlied (väterlicherseits)

Schlaf ein, mein Kind! Schlaf ein, mein Kind!
Man hält uns für Verwandte,
doch ob wir es auch wirklich sind?
Ich weiß es nicht. Schlaf ein, mein Kind!
Mama ist bei der Tante ...

Schlaf ein, mein Kind! Sei still! Schlaf ein!
Man kann nichts Klügres machen.
Ich bin so groß. Du bist so klein.
Wer schlafen kann, darf glücklich sein.
Wer schlafen darf, kann lachen.

Nachts liegt man neben einer Frau,
die sagt: Laß mich in Ruhe.
Sie liebt mich nicht. Sie ist so schlau.
Sie hext mir meine Haare grau.
Wer weiß, was ich noch tue.

Schlaf ein, mein Kind! Mein Kindchen, schlaf!
Du hast nichts zu versäumen.
Man träumt vielleicht, man wär ein Graf.
Man träumt vielleicht, die Frau wär brav.
Es ist so schön, zu träumen ...

Man schuftet, liebt und lebt und frißt
und kann sich nicht erklären,
wozu das alles nötig, ist!
Sie sagt, daß du mir ähnlich bist.
Mag sich zum Teufel scheren!

Der hat es gut, den man nicht weckt.
Wer tot ist, schläft am längsten.
Wer weiß, wo deine Mutter steckt!Sei ruhig.
Hab ich dich erschreckt?
Ich wollte dich nicht ängsten.

Vergiß den Mond! Schlaf ein, mein Kind!
Und laß die Sterne scheinen.
Vergiß auch mich! Vergiß den Wind!
Nun gute Nacht! Schlaf ein, mein Kind!
Und, bitte, laß das Weinen...

Erich Kästner

Montag, 25. Januar 2010

Zurück in die Sklaverei?

Fast könnte man das annehmen, wenn man folgende Zeilen liest:
****** Personaldienstleistungen GmbH
Gefahr von Arbeitsplatzverlust / drohende Arbeitslosigkeit

Sehr geehrter Mitarbeiter, sehr geehrte Mitarbeiterin,
leider müssen wir mit diesem Schreiben auf einen bedrohlichen und akuten Umstand hinweisen und dieser nennt sich: viel zu hoher Krankenstand bei der Firma Eupec Pipecoatings GmbH.
Was möchten wir Ihnen damit sagen?

Freitag, 22. Januar 2010

Sprechmittel

Personenvereinzelungsanlage: Drehkreuz
Raumübergreifendes Grün: Baum
Spontanvegetation: Unkraut
Biosensor: Spürhund
Rundumtonkombination: Blaulicht und Martinshorn
Restmüllbehältervolumenminderung: Bestellung einer kleineren Mülltonne

Vorstehende Begriffe entstammen Bürokratisch, der vorherrschenden Amtssprache in deutschen Amtsstuben.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Danke, Thomas

Gestern hatte einer der ganz großen Stars seinen Auftritt in Punkto Mitleiderzeugung. Thomas Gottschalk darf natürlich nicht fehlen im Reigen der engagierten Bettelbrüder und -schwestern. Das Menü ist schnell angerichtet und die Zutaten lassen sich nicht lange bitten, der Speise die Würze zu geben. Hochkarätige Stars trällern schöne Liedchen. Siemens, Kaufland, Lidl und Co., erklären wortreich ihre und ihrer Belegschaft Betroffenheits-Besoffenheit und verkünden ordentliche Spendensummen. Mit permanenten Einblendungen von beliebten Stars am Telefon, vorzugsweise aus Film, Fernsehen und Sport, werden die Zuschauer vor der Glotze zum Spenden animiert. Und nicht zu vergessen, das Laufband am unteren Bildschirmrand, welches der Welt verkündet, wer wieviel gegeben hat - psychologische Manipulation von Anfang bis Ende.

Dieser Bertoffenheitsmaraton wird nur übertroffen durch das Kalkül der beteiligten Unternehmen und die teilnahmsvolle Sensationsgier der Publikums. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.