Sonntag, 4. November 2012
"Dem Überflüssigen nachlaufen heißt, ...
Jules Saliège, Erzbischof von Toulouse (1870-1956)
Der Fischer und der Banker
Ein Investmentbanker stand in einem kleinen mexikanischen Fischerdorf am Pier und beobachtete, wie ein kleines Fischerboot mit einem Fischer an Bord anlegte. Er hatte einige riesige Thunfische geladen. Der Banker gratulierte dem Fischer zu seinem prächtigen Fang und fragte, wie lange er dazu gebraucht hätte.
Der Fischer antwortete: "Ein paar Stunden nur. Nicht lange."
Daraufhin fragte der Banker, warum er denn nicht länger auf See geblieben sei, um noch mehr zu fangen.
Der Fischer sagte, die Fische, reichten ihm, um seine Familie die nächsten Tage zu versorgen.
Der Banker wiederum fragte: "Aber was tun Sie denn mit dem Rest des Tages?"
Der Fischer erklärte: "Ich schlafe morgens aus, gehe ein bisschen fischen; spiele mit meinen Kindern, mache mit meiner Frau nach dem Mittagessen eine Siesta, gehe ins Dorf spazieren, trinke dort ein Gläschen Wein und spiele Gitarre mit meinen Freunden. Sie sehen, ich habe ein ausgefülltes Leben."
Der Banker erklärte: "Ich bin ein Harvard-Absolvent und könnte ihnen ein bisschen helfen. Sie sollten mehr Zeit mit Fischen verbringen und von dem Erlös ein größeres Boot kaufen. Mit dem Erlös hiervon wiederum könnten sie mehrere Boote kaufen, bis Sie eine ganze Flotte haben. Statt den Fang an einen Händler zu verkaufen, könnten Sie direkt an eine Fischfabrik verkaufen und schließlich eine eigene Fischverarbeitungsfabrik eröffnen. Sie könnten Produktion, Verarbeitung und Vertrieb selbst kontrollieren. Sie könnten dann dieses kleine Fischerdorf verlassen und nach Mexiko City oder Los Angeles und vielleicht sogar New York City umziehen, von wo aus Sie dann Ihr florierendes Unternehmen leiten."
Der Fischer fragte: "Und wie lange wird dies alles dauern?"
Der Banker antwortete: "So etwa 15 bis 20 Jahre."
Der Fischer fragte: "Und was dann?"
Der Banker lachte und sagte: "Dann kommt das Beste. Wenn die Zeit reif ist, könnten sie mit ihrem Unternehmen an die Börse gehen; ihre Unternehmensteile verkaufen und sehr reich werden. Sie könnten Millionen verdienen."
Der Fischer sagte: "Millionen. Und dann?"
Der Banker erwiderte: "Dann könnten Sie aufhören zu arbeiten. Sie könnten in ein kleines Fischerdorf an der Küste ziehen, morgens lange ausschlafen, ein bisschen fischen gehen, mit ihren Kindern spielen, eine Siesta mit ihrer Frau machen, in das Dorf spazieren, am Abend ein Gläschen Wein genießen und mit ihren Freunden Gitarre spielen."
Gefunden in den Tiefen des Internets
Sonntag, 17. Juli 2011
Scherbenlauf
Wie auf Scherben
laufen Bürger unserer Erde,
beklagen das Schwere des Alltags,
die Trostlosigkeit ihres Seins,
das Unfreie ihres Lebens,
sehen
Rechte in der Ferne entschwinden,
begegnen der Ohnmacht
eine bessere Welt für alle
zu schaffen,
sehen,
wie die Apokalypse
sich um den Globus hangelt,
Spuren der Verwüstung als
Schleppe hinter sich herzieht,
Verheerungen herbei führt,
Seuchen aus Verstecken drängt
und Menschen dem Tod überlässt,
sehen,
wie die himmlischen Reiter
seit langem die Erde erschüttern,
endlose Kriege mit Waffen füttern,
Geistliche entlarven, nackt machen,
ihnen den Schein des Besonderen nehmen,
weltweiten Hunger verbreiten und
Kindern kaum eine Chance
zum Entfalten geben,
die Liebe in Klagekleidern
an Herzen vorbei eilen lassen,
blühenden Hass durchs Land jagen
und unterdrückte Massen
zum Überschäumen bringen,
das Elend der Welt schüren,
die Würde des Menschen
in Gräber schaufelt,
mit Scherben bedeckt.
Freitag, 1. Juli 2011
Zeitgeist
steht das Unrecht
mitten in der Welt,
beflügelt von Blicken
ergebener Dienerseelen,
die ihren Mangel
im Geschehen der Zeit
nicht erkennen wollen,
ihrem Denken untersagen
auf Spuren der Wahrhaftigkeit
zu wandeln,
denn dann,
ja, dann
müssten sie sich ändern.
Leichter ist es
dem Bösen zu folgen,
dessen Masse den Globus
gierig zu erobern weiß
im ständigen Bestreben,
das Gute
verstummen zu lassen.
Samstag, 18. Juni 2011
Donnerstag, 13. Januar 2011
Eine gleichnishafte Erzählung
"Sicher", sagte er. "Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie im Meer für die kleinen Fische gewaltige Kästen bauen lassen, mit allerhand Nahrung drin, sowohl Pflanzen als auch Tierzeug. Sie würden dafür sorgen, dass die Kästen immer frisches Wasser hätten, und sie würden überhaupt allerhand sanitärische Maßnahmen treffen, wenn z.B. ein Fischlein sich die Flosse verletzten würde, dann würde ihm sogleich ein Verband gemacht, damit es den Haifischen nicht wegstürbe vor der Zeit.
Damit die Fischlein nicht trübsinnig würden, gäbe es ab und zu große Wasserfeste; denn lustige Fischlein schmecken besser als trübsinnige.
Es gäbe natürlich auch Schulen in den großen Kästen. In diesen Schulen würden die Fischlein lernen, wie man in den Rachen der Haifische schwimmt. Sie würden z.B. Geographie brauchen, damit sie die großen Haifische, die faul irgendwo rumliegen, finden könnten. Die Hauptsache wäre natürlich die moralische Ausbildung der Fischlein. Sie würden unterrichtet werden, dass es das Größte und Schönste sei, wenn ein Fischlein sich freiwillig aufopfert, und sie alle an die Haifische glauben müßten, vor allem, wenn sie sagten, sie würden für eine schöne Zukunft sorgen. Man würde den Fischlein beibringen, dass diese Zukunft nur gesichert sei, wenn sie Gehorsam lernten. Vor allen niedrigen, materialistischen, egoistischen und marxistischen Neigungen müßten sich die Fischlein hüten, und es sofort melden, wenn eines von ihnen solche Neigungen verriete.
Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie natürlich auch untereinander Kriege führen, um fremde Fischkästen und fremde Fischlein zu erobern. Die Kriege würden sie von ihren eigenen Fischlein führen lassen. Sie würden die Fischlein lehren, dass zwischen ihnen und den Fischlein der anderen Haifische ein riesiger Unterschied bestehe. Die Fischlein, würden sie verkünden, sich bekanntlich stumm, aber sie schweigen in ganz verschiedenen Sprachen und könnten einander daher unmöglich verstehen. Jedem Fischlein, das im Krieg ein paar andere Fischlein, feindliche, in anderer Sprache schweigende Fischlein, tötete, würde sie Orden aus Seetang anheften und den Titel Held verleihen.
Wenn die Haifische Menschen wären, gäbe es bei ihnen natürlich auch eine Kunst. Es gäbe schöne Bilder, auf denen die Zähne der Haifische in prächtigen Farben, ihre Rachen als reine Lustgärten, in denen es sich prächtig tummeln läßt, dargestellt wären.
Kurz, es gäbe erst eine Kultur im Meer, wenn die Haifische Menschen wären."
Sonntag, 7. November 2010
Seelenfenster
Samstag, 9. Januar 2010
Der blinde junge Mann
George Shinn
Busse, Züge, Flugzeuge und Flughäfen sind ein sicherer Ort für Fremde, um sich intime Geschichten zu erzählen, weil sie wissen, dass sie einander wahrscheinlich nie wieder sehen werden. So war es auch im Frühjahr 1983 auf dem New Yorker Flughafen La Guardia. Ich wartete auf meinen Flug, als ein großer, kräftig gebauter und gepflegt gekleideter Mann sich in seiner Anonymität sicher genug fühlte, um sich neben mich zu setzen und mir die folgende Geschichte zu erzählen:
"Ich war gerade dabei, mein Büro in Manhattan für den Feierabend aufzuräumen. Meine Sekretärin war schon vor einer halben Stunde gegangen, und ich hatte eben meine Sachen geordnet, als das Telefon klingelte. Es war Ruth, meine Sekretärin. Sie war ganz aufgeregt. 'Ich habe einen wichtigen Umschlag auf meinem Schreibtisch liegen lassen. Er muss sofort zum Blindeninstitut gebracht werden. Es ist nur wenige Häuserblocks entfernt. Wären Sie so nett, ihn dort vorbeizubringen?'
'Da haben Sie Glück, dass Sie mich noch erwischen, ich wollte gerade das Büro verlassen. Ja, ich kann Ihren Umschlag gerne dort vorbeibringen.'
Als ich im Blindeninstitut eintraf, kam mir ein Mann entgegen. 'Gott sei Dank sind sie da. Wir müssen sofort anfangen.' Er bot mir einen freien Stuhl an und bat mich, Platz zu nehmen. Bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte, saß ich in einer Reihe von Menschen, die alle sehen konnten. Uns gegenüber saßen blinde Männer und Frauen. Ein junger Mann, ungefähr fünfundzwanzig Jahre alt, stand an einem Ende des Raums und gab Anweisungen.
'Ich werde jetzt gleich diejenigen von Ihnen, die nicht sehen können, bitten, die Person, die Ihnen gegenübersitzt, kennen zu lernen. Nehmen Sie sich ruhig genügend Zeit, um die Gesichtszüge, die Frisur, die körperliche Statur, die Atemfrequenz und so weiter zu studieren. Wenn ich ein Zeichen gebe, werden Sie Ihren Arm ausstrecken und den Kopf der Person berühren, die Beschaffenheit ihres Haares fühlen und feststellen, ob es lockig ist oder glatt, dick oder dünn. Stellen Sie sich vor, welche Farbe es hat. Berühren Sie dann mit den Fingerspitzen die Stirn. Fühlen Sie die Beschaffenheit der Haut. Benutzen Sie beide Hände, um die Augenbrauen zu erkunden, dann die Augen, die Nase, die Wangen, die Lippen, das Kinn und den Nacken. Hören Sie, wie die Person atmet. Ist der Atem ruhig oder schnell? Können Sie den Herzschlag hören? Schlägt das Herz schnell oder langsam? Lassen Sie sich ruhig Zeit. Bitte fangen Sie jetzt an.'
Ich bekam auf einmal panische Angst und wollte sofort weg. Niemand darf mich anfassen ohne meine ausdrückliche Erlaubnis, schon gar nicht ein Mann. Mein Gegenüber fing an, mein Haar zu berühren. Mein Gott, wie unwohl ich mich fühlte! Nun berührten seine Hände mein Gesicht, ich fing an zu schwitzen. Er würde gleich meinen Herzschlag hören und merken, dass ich in Panik war. Ich musste mich beruhigen, durfte mir nicht anmerken lassen, dass ich mich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Als die Übung vorbei war, atmete ich erleichtert aus.
'Und nun', fuhr der junge Mann fort, 'haben auch die Sehenden die Möglichkeit, die Person zu ertasten die ihnen gegenüber sitzt. Schließen Sie die Augen, und stellen Sie sich vor, dass Sie diese Person noch nie in Ihrem Leben gesehen haben. Was würden Sie über diese Person erfahren wollen? Wer ist sie? Was sind ihre Gedanken? Welche Träume mag sie haben? Strecken Sie ihren Arm aus, und berühren Sie den Kopf Ihres Gegenübers. Fühlen Sie die Beschaffenheit des Haares. Welche Farbe mag das Haar wohl haben?'
Seine Stimme verhallte im Hintergrund. Bevor ich realisierte, was ich tat, lag meine Hand auf dem Gesicht des jungen Mannes, der mir gegenübersaß. Sein Haar war trocken und dicht. Mir fiel die Farbe seines Haares nicht mehr ein. Verdammt, ich konnte mich nie an die Haarfarbe von irgendjemandem erinnern.
Im rechten Licht betrachtet, schaute ich niemals irgendeinen Menschen wirklich an. Ich sagte Menschen immer nur, was sie tun sollten. Ansonsten konnte ich auf ihre Anwesenheit gut verzichten. Ich habe mich niemals wirklich um sie geschert. Mein Beruf war wichtig, und mich interessierten eigentlich nur die Geschäfte, die ich machte. Andere Menschen zu berühren, zu fühlen und kennen zu lernen war nicht mein Ding und würde es auch bestimmt niemals sein.
Ich fuhr unterdessen damit fort, die Augenbrauen, die Nase, die Wangen und die Haut des jungen Mannes zu fühlen. Ich merkte, dass ich innerlich weinte. Da war ein Gefühl der Zärtlichkeit in meinem Herzen, das ich bislang nicht gekannt hatte, eine Verletzlichkeit, die ich weder mir selbst noch einem anderen Menschen jemals offenbart hatte. Ich spürte sie und hatte Angst. Mir war klar, dass ich hier nicht lange bleiben konnte. Gleich würde ich weggehen und nie mehr zurückkommen.
Träume? Hat dieser junge Mann vor mir Träume? Was gehen sie mich an? Er bedeutet mir nichts. Ich habe zwei Kinder im Teenager-Alter und kenne noch nicht einmal ihre Träume. Außerdem haben sie nur Autos, Sport und Mädchen im Kopf. Wir reden nicht viel miteinander, und ich glaube nicht, dass sie mich sonderlich mögen. Ich weiß nicht, ob ich sie überhaupt verstehe. Meine Frau? Nun, sie macht ihr Ding, und ich mache meins.
Ich schwitzte, und mein Atem ging schwer. Der Übungsleiter bat uns, zum Ende zu kommen. Ich nahm meine Hand herunter und setzte mich zurück. 'Nun kommen wir zum letzten Teil der Übung'. hörte ich ihn sagen. 'Sie haben jetzt drei Minuten Zeit, um sich mit ihrem Gegenüber über ihre Erfahrung beim Versuch, den anderen kennen zu lernen, auszutauschen. Teilen Sie Ihrem Partner mit, was Sie denken und fühlen. Erzählen Sie, was Sie von ihm oder ihr gelernt haben. Die blinde Person fängt bitte an.'
Der Name meines Übungspartners war Henry. Zuerst erzählte er mir, dass er schon dachte, keinen Partner für den Abend zu haben, und wie froh er sei, dass ich es noch rechtzeitig geschafft habe. Er meinte, er habe fühlen können, dass ich wirklich den Mut besitze, meine Gefühle und Emotionen offen zu legen. 'Ich war beeindruckt', sagte er, 'dass Sie die Anleitungen ausführten, obwohl Sie einen ziemlichen Widerwillen dagegen hatten, Ihr Herz ist sehr groß, aber auch sehr einsam. Sie möchten mehr Liebe in Ihrem Leben, wissen aber nicht, wie Sie darum bitten können. Ich bewundere Ihre Bereitschaft, die Seite in sich zu entdecken, die sich nach einer Veränderung sehnt. Ich weiß, dass Sie am liebsten aus dem Raum gerannt wären, aber Sie haben es nicht getan, sondern sind geblieben. Ich habe mich beim ersten Mal auch so gefühlt. Inzwischen habe ich aber keine Angst mehr vor dem, der ich wirklich bin. Es ist okay für mich zu weinen, Angst zu haben, Panik zu kriegen, wegrennen zu wollen, sich von anderen abzukapseln, sich in die Arbeit zu verkriechen. Das sind alles ganz normale Empfindungen, und ich lerne sie immer mehr zu akzeptieren und zu schätzen. Vielleicht haben Sie ja Lust öfter hierher zu kommen und herauszufinden, wer Sie wirklich sind.'
Ich schaute dem jungen, blinden Henry in die Augen und begann zu schluchzen. Ich brachte sonst keinen Ton heraus, es gab auch nichts zu sagen. Ich war noch nie in meinem ganzen Leben an solch einem Ort gewesen. Ich hatte niemals zuvor solch eine bedingungslose Liebe und Weisheit erfahren. Die einzigen Worte, die ich meiner Erinnerung nach zu Henry sagte, waren: 'Ihr Haar ist braun, und Ihre Augen strahlen.' Er war wahrscheinlich die erste Person in meinem Leben, deren Augen ich niemals vergessen werde. Ich war der Blinde, und Henry hatte die Vision zu sehen, wer er war.
Die Übung war zu Ende, und alle Anwesenden erhoben sich. Ich zog den Umschlag aus meiner Tasche und überreichte ihn dem Übungsleiter. 'Meine Sekretärin wollte ihn eigentlich schon früher vorbeibringen. Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen den Umschlag erst jetzt geben kann.'
Der junge Mann nahm den Umschlag und lächelte. 'Es war meine erster Übungsabend dieser Art. Ich habe auf die Unterlagen gewartet, um zu wissen, was ich tun sollte. Als Sie nicht rechtzeitig kamen, musste ich eben auf meinen inneren Souffleur hören. Ich habe gar nicht bemerkt, dass Sie nicht einer der regulären Freiwilligen waren. Entschuldigen Sie bitte alle Unannehmlichkeiten.'
Ich habe niemandem davon erzählt, nicht einmal meiner Sekretärin, dass ich jetzt an zwei Abenden in der Woche ins Blindeninstitut gehe. Ich kann es nicht in Worte fassen, aber es fühlt sich so an, als ob ich anfangen würde, Liebe für andere Menschen zu empfinden. Bitte erzählen Sie niemandem in der Wall Street, was ich eben zu Ihnen gesagt habe. Wissen Sie, dies ist eine Welt, in der der eine den anderen frisst, und ich möchte gern die Kontrolle behalten. Aber will ich das wirklich? Es scheint, als wären mir meine Antworten abhanden gekommen.
Ich weiß, dass ich noch viel lernen muss, wenn ich will, dass mich meine Söhne respektieren. Es ist schon komisch, früher hätte ich so etwas nie gesagt. Es war klar, dass Kinder ihre Eltern respektieren müssen, zumindest hat man mir das so beigebracht. Vielleicht aber müssen beiden Seiten etwas tun, und wir können gemeinsam lernen, uns gegenseitig zu respektieren. Als Erstes habe ich angefangen, mich selbst anzunehmen und zu lieben."
Helice Bridges
Aus: "Noch mehr Hühnersüppchen für die Seele" von Jack Canfield und Mark Victor Hansen
Montag, 21. Dezember 2009
Der Schlüssel zum Leben
Leben findet ausschließlich in der Gegenwart statt.
Montag, 23. November 2009
Schlimme Zeiten
wie sich damals
die Menschen verhielten
schlimme Zeiten
warn das
vor 150 Jahren ...
sagte der Vater
als sein Sohn ihn fragte
was er denn halte
von der Geschichte
mit diesem
Kaspar Hauser
dem rätselhaften
Findling
der aus dem Wald kam
den die Leute
erschlugen
weil er
so anders war.
Dann schrieb er weiter
seinen Beschwerdebrief
an Neckermann-Reisen
betreffend den Umstand
dass im Ferienhotel
direkt nebenan
eine Familie
gehaust habe
mit einem
geistig behinderten Kind.
Entnommen aus: "Hand aufs Hirn" von Jörn Pfennig
Samstag, 12. September 2009
Weg der Masse
treibe auch ich und
erlebe das Leben
erfrage den Sinn
erkunde die Massen
hinter den Fassaden
erkenne mit Bestürzung
scheinbares Glück
bezahlte kurzlebige Zufriedenheit
suchthaftes Verhalten nach mehr
gefallene Mächte und Größen
Leiden von Unschuldigen
Qualen des Strebens
Wirren der Kriege
ohnmächtiges Tun
manische Selbstherrlichkeiten
böse Absichten hinter Stirnen
wahrheitslose Lehren
glanzvolles Zurschaustellen
triebiges Sinnen
erblicke mit Klarheit
einen Raum endloser Leere.
Heidrun Gemähling
Dienstag, 8. September 2009
Kluge Worte
Mittwoch, 19. August 2009
Menschen im Abseits
Auf dem Weg zum Kurviertel - ich hatte mir eben eine Pfeife angezündet und bummelte zweifach genießend, nämlich Tabak und Sonne - stellte sich mir eine tief gebeugte graue Gestalt in den Weg: "Ach bitte, ich will Ihnen mal ... und ob Sie mir vielleicht helfen ..."
Von unten herauf huschten graublaue Augen über mein Gesicht, kehrten gleich wieder zurück, und ich sah nur noch das graue Haar über dem grauen Tuchmantel und bemerkte dann, wie die alte Frau in einem Täschchen suchte, das sie neben einem Gehstock in der Hand hielt.
"Sehen Sie, wenn ich was zum ...", die freie Hand bewegte sich, als ob sie ein Werkzeug hielte, "und das da hineindrehen könnten ..." Sie hielt inne, atmete heftig und blickte mich voll an, mit zaghaftem Lächeln. Und irgend etwas nahm mich für mein Gegenüber ein.
"Hm, schrauben geht nicht", stellte ich fest, hielt die beiden Scherenhälften gegeneinander und versuchte, den Nietstift in die Bohrung einzudrücken.
Die Frau sah aufmerksam zu. "Das ist genietet", erklärte ich ihr. Doch gewiss konnte sich die Frau nichts darunter vorstellen. Also legte ich die Schere auf den ebenen Kopf eines Eisenpfostens, bei dem wir standen, und führte ihr den Hammerschlag vor. "Sehn Sie, einen Hammer bräuchte ich, der treibt den Stift über dem Loch auseinander, und der hält dann die Schere zusammen."
"Ach so." Sie schüttelte leicht den Kopf.
Ich kann`s mit dem Feuerzeug versuchen", überlegte ich.
Schon hatte ich das schwere Ding in der Hand. Und während der Ersatzhammer tatsächlich den Stift in die Bohrung trieb, erzählte mir die Frau, sie sei jetzt 84 Jahre alt und ihr Mann vor 29 Jahren verstorben. Nun habe sie niemanden, der ihr behilflich sei, und das Altersheim wolle sie nicht aufnehmen. "Jetzt gehe ich aber hin zum Mittagessen". schloss sie, und wies eine Essensmarke vor.
"So, so. Ins Altersheim, zum Mittagessen", sagte ich und nickte ihr zu und betrachtete dann die silberglänzende Fläche des Feuerzeuges, das wahrlich nicht zum Nieten noch sonstigem Handwerk bestimmt war.
Dennoch war uns die Nieterei soweit geglückt, dass die Scherenhälften nun nicht mehr auseinander konnten. Hocherfreut nahm die alte Dame ihre Schere entgegen.
"Aber zum Schneiden ist es nicht fest genug." Ich wies auf mein Feuerzeug. "Das schafft es nicht, Ist halt kein Niethammer."
Sie lächelte. "Wissen Sie, ich bin ja schon so froh, dass jemand wenigstens Zeit für mich hat. Richtig dankbar bin ich Ihnen."
Bevor wir voneinander schieden, fiel es mir ein: Dort im Altersheim sind doch auch Männer?"
Die Frau sah mich an, zögernd kam es: "Ja, Männer auch."
"Bestimmt auch jemand, der so was kann, hämmern, nieten und so. Wenn Sie heute einfach mal einen der Herren danach fragen, vielleicht macht der Ihre Schere wieder flott", ermunterte ich sie.
Dann sah ich der grauen Gestalt nach und ergrimmte ob des feisten: "In Deutschland gibt es keine Armut!" Indessen war die Tabaksglut ausgegangen. Ein leiser Wind half der Flamme beim Anzünden. Aber nicht jedesmal lehrt mit der Glut auch der Genuss zurück.
Piet Horniss
Mittwoch, 12. August 2009
Mit den Augen eines Kindes
"Weihnachten sind wir immer bei Oma und Opa. Früher wohnten sie hier bei uns in einem großen Backsteinhaus, aber Opa wurde abserviert, und jetzt sind sie nach Florida gezogen. Sie wohnen in einem Park mit vielen anderen abservierten Leuten. Sie wohnen alle in Konservenbüchsen und fahren Dreiräder, die zu groß für mich sind.
Sie gehen alle in ein Gebäude, das sie den alten Schuppen nennen, aber jetzt ist er repariert. Sie spielen ein Spiel mit großen Schachfiguren und schieben sie mit Stäben auf dem Boden herum. Es gibt einen Swimming-Pool, aber ich glaube, niemand bringt ihnen das Schwimmen bei; sie stehen einfach im Wasser und haben dabei die Hüte auf.
Früher hat meine Oma für mich Kuchen gebacken, aber dort kocht niemand. Sie gehen alle in Restaurants, in denen es schnell geht und sie sich selbst bedienen müssen, damit es billiger wird. Wenn man in den Park kommt, ist da ein Spielzeughaus, in dem ein Mann sitzt. Er passt den ganzen Tag auf, damit sie nicht herauskommen, ohne dass er sie sieht. Ich glaube, sie vergessen immer wieder, wer sie sind, denn sie tragen alle Schildchen mit ihrem Namen.
Oma sagt, dass Opa sein ganzes Leben lang hart gearbeitet hat, um sich seine Abservierung leisten zu können.
Ich wünschte, sie könnten wieder zu uns nach Hause ziehen, aber ich vermute, der Mann im Spielzeughaus lässt sie nicht heraus."
Verfasser unbekannt
Aus: "Hühnersuppe für die Seele Weitere Geschichten, die zu Herzen gehen"
Jack Canfield / Mark Victor Hansen
Montag, 27. Juli 2009
Ein Freund am Telefon
Noch bevor ich zu Ende gewählt hatte, wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Es klingelte einmal, zweimal - dann nahm jemand den Hörer ab.
"Sie haben die falsche Nummer!", blaffte eine raue männliche Stimme. Verdattert wählte ich noch einmal.
"Sie haben die falsche Nummer, hab ich doch gesagt!", kam wieder die Stimme, und wieder drang nur noch das kurze Klicken des Hörers an mein Ohr, der eingehängt wurde.
Wieso wusste er, dass man mir eine falsche Nummer gegeben hatte? Damals arbeitete ich für die New Yorker Polizei. Ein Bulle ist darauf trainiert, neugierig zu sein - und sich einzumischen. Also wählte ich ein drittes Mal.
"Hey, was soll das?", sagte der Mann. "Schon wieder Sie?"
"Ja", erwiderte ich. "Ich hab mich gefragt, wieso Sie wussten, dass ich eine falsche Nummer hatte, obwohl ich noch gar nichts gesagt hatte."
"Na, dann überlegen Sie mal!" Wieder wurde der Hörer aufgeknallt.
Ich saß eine Zeit lang da und hielt den Hörer locker zwischen den Fingern. Ich rief den Mann zurück.
"Und? Haben Sie es jetzt kapiert?", fragte er.
"Das Einzige, was ich mir vorstellen kann, ist ... dass niemand Sie je anruft."
"Genau!" Zum vierten Mal war die Leitung tot. Ich prustete vor mich hin und rief den Mann zurück.
"Und was wollen Sie jetzt?", raunzte er.
"Ich dachte, ich sollte mal anrufen ... einfach um Hallo zu sagen."
"Hallo? Und warum?"
"Na, wenn nie jemand Sie anruft, dachte ich, ich sollte es vielleicht mal tun."
"Na schön. Und wer sind Sie?"
Endlich war ich durchgekommen. Jetzt war er neugierig.
Ich erzählte ihm, wer ich war, und fragte ihn, wer er wäre.
"Adolf Meth mein Name. Ich bin achtundachtzig, und kein einziges Mal in den letzten zwanzig Jahren hat jemand sich bei mir so oft verwählt!" Wir lachten beide.
Wir unterhielten uns gut zehn Minuten. Adolf hatte keine Familie, keine Freunde. Alle, die ihm nahe gestanden hatten, waren gestorben. Dann entdeckten wir, dass wir etwas gemeinsam hatten: Auch er hatte fast vierzig Jahre lang, für die New Yorker Polizei gearbeitet. Als er mir über seine Zeit als Fahrstuhlführer dort erzählte, schien er interessiert, ja freundlich. Ich fragte ihn, ob ich ihn wieder anrufen dürfte.
"Warum wollen Sie das tun?", fragte er überrascht.
"Vielleicht können wir Telefonfreunde sein. Sie wissen schon, so ähnlich wie Brieffreunde."
Er zögerte. "Ich hätte nichts dagegen ... wieder einen Freund zu haben." Seine Stimme klang ein wenig unentschlossen.
Ich rief Adolf am nächsten Nachmittag an und auch ein paar Tage später. Man konnte sich gut mir ihm unterhalten, und er erzählte von seinen Erinnerungen an den Ersten und Zweiten Weltkrieg, an das Desaster mit Hindenburg und andere historischen Ereignisse. Er war faszinierend. Ich gab ihm meine private Telefonnummer und die vom Büro, sodass er mich anrufen konnte. Was er tat - fast täglich.
Es war nicht einfach nur Freundlichkeit gegenüber einem einsamen alten Mann. Die Gespräche mir Adolf waren wichtig für mich, denn auch ich hatte eine große Lücke in meinem Leben. Ich war in Waisenhäusern und bei Pflegefamilien groß geworden und hatte nie einen Vater gehabt. Nach und nach bekam Adolf für mich so etwas wie eine väterliche Bedeutung. Ich erzählte ihm von meinem Job und von den College-Kursen, die ich abends besuchte.
Adolf wuchs in die Rolle des Beraters hinein. Als wir über eine Meinungsverschiedenheit mit einem Vorgesetzen sprachen, bemerkte ich zu meinem neuen Freund: "Ich glaube, ich sollte die Sache ein für alle mal mit ihm klären."
"Warum die Eile?", meinte Adolf warnend. "Lass die Dinge sich beruhigen. Wenn du so alt bist, wie ich jetzt bin, weißt du, dass die Zeit vieles regelt. Wenn es schlimmer wird, kannst du immer noch mit ihm reden."
Es blieb lange still zwischen uns. "Weißt du", sagte er leise, "ich rede mit dir, wie ich mit meinem eigenen Jungen reden würde. Ich hab mir immer eine Familie gewünscht - und Kinder. Du bist zu jung, um zu wissen, wie sich das anfühlt.
Nein, ich war nicht zu jung. Ich hatte mir immer eine Familie gewünscht - und einen Vater. Aber ich sagte nichts; ich hatte Angst, den Schmerz nicht zurückhalten zu können, den ich schon so lange in mir fühlte.
Eines Abends erwähnte Adolf, dass er bald neunundachtzig würde. Ich kaufte ein Stück Holzfaserplatte und malte eine große Geburtstagskarte mit einem Kuchen und neunundachtzig Kerzen. Dann bat ich alle Polizisten meiner Dienststelle und sogar den Polizeichef, die Karte zu unterschreiben. Ich sammelte an die hundert Unterschriften. Ich wusste, dass das Adolf einen Riesenauftrieb geben würde.
Wir unterhielten uns jetzt seit vier Monaten am Telefon, und ich dachte, der Geburtstag wäre der richtige Zeitpunkt, sich persönlich kennen zu lernen. Deshalb beschloss ich, die Karte selbst zu überbringen.
Ich sagte Adolf nicht, dass ich kommen würde; ich fuhr einfach eines Morgens zu seiner Adresse und parkte das Auto ein Stück entfernt von dem Mietshaus, in dem er wohnte.
Ein Briefträger verteilte im Flur die Post, als ich das Gebäude betrat. Er nickt, als ich auf den Briefästen Adolfs Namen suchte. Da war er. Apartment 1 H, gerade einmal sechs Meter von da, wo ich stand.
Mein Herz hämmerte vor Aufregung. Würde die Chemie zwischen uns bei der persönlichen Begegnung genauso stimmen wie am Telefon? Ich spürte die ersten stechenden Zweifel. Vielleicht würde er mich genauso zurückweisen wie mein Vater? Ich klopfte an Adolfs Tür. Als niemand antwortete, klopfte ich fester.
Der Postbote sah von seinen Briefen auf. "Da ist keiner", meinte er.
"Ja", sagte ich und kam mir ein bisschen albern vor. "Wenn er an der Tür so antwortet wie am Telefon, kann das den ganzen Tag dauern."
"Sind Sie ein Verwandter oder was?
"Nein. Nur ein Freund."
"Tut mir wirklich Leid", sagte er ruhig, "Aber Mr. Meth ist vorgestern gestorben."
Gestorben? Adolf? Einen Augenblick lang verschlug es mir die Sprache. Schockiert und ungläubig stand ich da. Dann riss ich mich zusammen; ich dankte dem Briefträger und trat in die spätvormittägliche Sonne hinaus. Mit feuchten Augen ging ich zu meinem Auto.
Als ich um eine Ecke bog, sah ich eine Kirche, und eine Zeile aus dem Alten Testament fiel mir ein: Ein Freund liebt allezeit. Besonders im Tod, wurde mir klar. In diesem Augenblick hatte ich eine Erkenntnis. Oft bemerken wir erst, wie schön es ist, dass ein bestimmter Mensch in unserem Leben ist, wenn plötzlich etwas Trauriges passiert. Ich spürte jetzt zum ersten Mal, wie nah Adolf und ich uns gekommen waren. Es war mir leicht gefallen, und ich wusste, dass es mir beim nächsten Mal, mit meinem nächsten guten Freund, noch leichter fallen würde.
Langsam spürte ich, wie mir innerlich ganz warm wurde. Ich hörte Adolfs brummige Stimme schnauben: "Sie haben die falschen Nummer!" Dann hörte ich ihn fragen, warum ich wieder anrufen wollte.
"Weil du wichtig warst, Adolf" sagte ich laut zu mir selbst. "Weil ich dein Freund war."
Ich legte die Geburtstagskarte auf den Rücksitz meines Wagens und setzte mich ans Steuer. Bevor ich den Motor anließ, sah ich über die Schulter nach hinten. "Adolf" flüsterte ich, "ich hab nicht die falsch Nummer bekommen. Ich habe dich bekommen."
Jennings Michael Burch
Aus: "Hühnersuppe für die Seele Weitere Geschichten, die zu Herzen gehen"
Jack Canfield/Mark Victor Hansen
Egal wie oft ich diese Geschichte lese, sie berührt mich immer wieder auf´s Neue.
Mittwoch, 22. Juli 2009
Der Fang seines Lebens
Er war elf, und wann immer er die Gelegenheit dazu hatte, ging er zum Angeln zu der Anlegestelle, die zum Häuschen seiner Eltern auf einer Insel mitten in einem der New-Hampshire-Seen gehörte.
Einen Tag vor Eröffnung der Barschsaison waren er und sein Vater am frühen Abend zum Angeln gegangen; sie fingen Sonnenbarsche und Flussbarsche mit Würmern. Dann befestigte er einen kleinen Silberköder an der Angel und warf sie aus. Als der Köder die Wasseroberfläche traf, kräuselten farbige Wellen sich im Sonnenuntergang, und als der Mond über dem See aufging, wurden die Wellen silbern.
Als die Angelrute sich mächtig nach vorn bog, wusste er, dass am anderen Ende etwas Riesiges sein musste. Bewundernd beobachtete der Vater, wie geschickt der Junge den Fisch zur Anlegestelle manövrierte.
Schließlich zog er den erschöpften Fisch behutsam aus dem Wasser. Es war der größte, den er je gesehen hatte, aber es war ein Barsch.
Der Junge und der Vater sahen sich den stattlichen Fisch an, dessen Kiemen sich im Mondlicht auf und ab blähten. Der Vater zündete ein Streichholz an und sah auf seine Uhr. Es war zehn Uhr abends - zwei Stunden vor Saisoneröffnung. Er sah den Fisch und dann den Jungen an.
"Du musst ihn wieder ins Wasser tun, Sohn", sagte er.
"Dad!" schrie der Junge.
"Du wirst andere Fische fangen", sagte der Vater.
"Aber nicht so große wie diesen", schrie der Junge.
Er blickte über den See. Keine anderen Fischer oder Boote waren im Mondlicht zu erkennen. Er sah wieder seinen Vater an.
Obwohl niemand sie gesehen hatte und niemand je wissen würde, um welche Uhrzeit sie den Fisch gefangen hatten, wusste der Junge wegen der Klarheit in der Stimme seines Vaters, dass die Entscheidung nicht verhandelbar war. Langsam zog er den Haken aus der Lippe des riesigen Barsches und ließ ihn hinunter in das schwarze Wasser. Der mächtige Körper des Geschöpfs wand sich und verschwand. Der Junge nahm an, dass er einen so großen Fisch wohl nie mehr sehen würde.
Das war vor vierunddreißig Jahren. Heute ist der Junge ein erfolgreicher Architekt in New York City. Das Häuschen seines Vaters steht immer noch auf der Insel mitten im See. Er bringt seinen eigenen Sohn und seine Töchter zum Angeln an dieselbe Anlegestelle.
Und er hatte richtig vermutet. Er hat nie wieder einen so herrlichen Fisch gefangen wie den, den er in einer Nacht vor langer Zeit an Land gezogen hatte. Aber er sieht diesen Fisch jedes Mal vor sich, wenn er eine Frage der Moral entscheiden muss.
Denn bei der Moral geht es, wie sein Vater ihn gelehrt hat, einfach um richtig und falsch. Nur in der Praxis ist die Moral schwierig. Tun wir das moralisch Richtige, wenn niemand uns sieht? Weigern wir uns zu schludern, obwohl dann die Zeichnung termingerecht fertig würde? Weigern wir uns, unsere Aktiengeschäfte mit Insiderinformationen zu tätigen?
Wir würden uns weigern, wenn man uns als Kind beigebracht hätte, den Fisch zurück ins Wasser zu setzen. Denn wir hätten Ehrlichkeit gelernt.
Die Entscheidung, moralisch richtig zu handeln, lebt unverbraucht in unserer Erinnerung weiter. Die dazugehörige Geschichte erzählen wir stolz unseren Freunden und auch noch unseren Enkelkindern.
In dieser Geschichte geht es nicht darum, wie wir die Gelegenheit, Institutionen oder Menschen auszutricksen, genutzt haben; vielmehr handelt sie davon, wie wir das Rechte getan und daraus für alle Zeiten Kraft geschöpft haben.
James B. Lenfestey
eingereicht von Diana Von Holdt
Aus: "Hühnersuppe für die Seele weitere Geschichten, die zu Herzen gehen"
Jack Canfield/Mark Victor Hansen
Dienstag, 21. Juli 2009
Kinder lernen, was sie leben
lernen sie zu verurteilen.
Wenn Kinder mit Feindseligkeiten leben,
lernen sie zu kämpfen.
Wenn Kinder mit Angst leben,
lernen sie, ängstlich zu sein.
Wenn Kinder mit Mitleid leben,
lernen sie, mit sich selbst Mitleid zu haben.
Wenn Kinder mit Spott leben,
lernen sie, scheu zu sein.
Wenn Kinder mit Eifersucht leben,
lernen sie, was Neid ist.
Wenn Kinder mit Scham leben,
lernen sie, sich schuldig zu fühlen.
Wenn Kinder mit Toleranz leben,
lernen sie, geduldig zu sein.
Wenn Kinder mit Ermutigung leben,
lernen sie, zuversichtlich zu sein.
Wenn Kinder mit Lob leben,
lernen sie anzuerkennen.
Wenn Kinder mit Bestätigung leben,
lernen sie, sich selbst zu mögen.
Wenn Kinder mit Bejahung leben,
lernen sie, Liebe in der Welt zu finden.
Wenn Kinder mit Anerkennung leben,
lernen sie, ein Ziel zu haben.
Wenn Kinder mit Teilen leben,
lernen sie, großzügig zu sein.
Wenn Kinder mit Ehrlichkeit und Fairness leben,
lernen sie, was Wahrheit und Gerechtigkeit sind.
Wenn Kinder mit Sicherheit leben,
lernen sie, an sich zu glauben und an die,
die um sie sind.
Wenn Kinder mit Freundlichkeit leben,
lernen sie, dass die Welt ein schöner Ort zum Leben ist.
Wenn Kinder mit Gelassenheit leben,
lernen sie, innerlich gelassen zu sein.
Womit leben deine Kinder?
Dorothy L. Nolte
Aus: "Hühnersuppe für die Seele"
Jack Canfield/Mark Victor Hansen
Sonntag, 19. Juli 2009
Wenn ich mein Kind noch einmal aufziehen müsste
Würde ich mit dem Finder mehr farbige Bilder malen und weniger damit deuten.
Würde ich weniger kritisieren und mehr bestärken.
Würde ich die Augen von der Uhr abwenden und lernen, mit ihnen zu schauen.
Würde ich mich bemühen, nicht alles zu wissen, aber zu wissen, wie man sich bemüht.
Würde ich meine Sachen liegen und die Drachen fliegen lassen.
Würde ich aufhören, die Ernsthafte zu spielen, um dafür ernshafter zu spielen.
Würde ich mehr über Wiesen rennen und zu den Sternen aufblicken.
Würde ich mehr umarmen und weniger herumstoßen.
Würde ich weniger Stärke demonstrieren und dafür mehr bestärken.
Würde ich erst sein Selbstwertgefühl aufbauen und danach das Haus.
Würde ich es weniger über die Liebe zur Macht und dafür mehr über die Macht der Liebe lehren.
Diane Loomans
Aus: "Noch mehr Hühnersuppe für die Seele"
Jack Canfield/Mark Victor Hansen
Freitag, 17. Juli 2009
Die magischen Steine
"Warum müssen wir all diese blöde Zeug lernen?"
Von allen Beschwerden und Fragen, die ich während meiner Jahre als Lehrer zu hören bekam, war dies eine der häufigsten. Ich pflegte sie mit folgender Geschichte zu beantworten:
Eines Abends bereitete sich eine Gruppe von Nomaden zum Schlafen vor, als sie plötzlich von einem überwältigenden Licht umgeben waren. Sie wussten, dass dies die Anwesenheit eines göttlichen Wesens bedeutete. Mit großer Spannung erwarteten sie nun eine himmlische Botschaft von großer Wichtigkeit, die, wie sie wussten, speziell für sie bestimmt sein musste.
Schließlich sprach eine Stimme: "Sammelt so viele Kieselsteine, wie ihr nur könnt. Steckt sie in eure Satteltaschen. Reitet morgen einen ganzen Tag lang, und am Abend werdet ihr glücklich und zugleich traurig sein."
Nachdem die Erscheinung verschwunden war, waren die Nomaden enttäuscht und verärgert. Sie hatten die Offenbarung einer gewaltigen und umfassenden Wahrheit erwartet, die sie befähigen würde, Wohlstand und Gesundheit in der Welt zu schaffen und dem Leben einen Sinn zu geben. Aber statt dessen wurde ihnen eine niedrige Arbeit zugemutet, die für sie völlig sinnlos war. Trotzdem, der Eindruck, den der Glanz ihres himmlischen Besuchers bei ihnen hinterlassen hatte, bewog doch jeden, ein paar Kieselsteine aufzuheben und sie in die Satteltasche zu stecken, während sie noch immer ihrem Missvergnügen Ausdruck verliehen.
Sie ritten dann den ganzen Tag lang, und als sie am Abend ihr Lager aufschlugen, griffen sie in ihre Satteltaschen und entdeckten, dass jeder Kieselstein, den sie gesammelt hatten, zu einem Diamanten geworden war. Nun waren sie glücklich, dass sie Diamanten hatten. Und sie waren traurig, dass sie nicht mehr Kieselsteine gesammelt hatten.
Eine Erfahrung, die ich mit einem Schüler - ich nenne ihn einmal Alan - in meinen Anfangsjahren als Lehrer machte, veranschaulicht für mich den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte.
Als Alan in die achte Klasse kam, war sein Hauptfach Schwierigkeiten bereiten und sein Nebenfach Nichtstun. Er hatte nur gelernt, den brutalen Maulhelden zu spielen, und er hätte jedes Abschlussexamen in Verlogenheit mit Auszeichnung bestanden.
Jeden Tag ließ ich meine Schüler ein Zitat von einem bedeutenden Denker auswendig lernen. Es war meine Methode, ihre Anwesenheit zu kontrollieren. Ich rief einen Namen auf und begann mit dem Anfang eines Zitats. Von dem jeweiligen Schüler wurde erwartet, es zu Ende zu führen.
"Alice Adams: >Es gibt kein Versagen, es sei denn..."
"...du gibst auf.< Anwesend, Mr Schlatter."
Und so hatten sich am Ende des Jahres meine jungen Schützlinge rund hundertfünfzig wichtige Sätze eingeptägt.
"Glaube, du kannst es, glaube, du kannnst es nicht - in jedem Fall hast du recht."
"Wenn du die Hindernisse siehst, hast du das Ziel aus den Augen verloren."
"Ein Zyniker ist jemand, der von allem den Preis kennt und von nichts den Wert."
Und dann natürlich Napoleon Hills: "Was du begreifen und glauben kannst, das kannst du auch erreichen."
Niemand beschwerte sie über diese tägliche Routine mehr als Alan - doch er wurde schließlich aus der Schule hinausgeworfen, und ich verlor ihn für fünf Jahre aus den Augen. Aber eines Tages tauchte er wieder auf. Er nahm an einem speziellen Programm an einem benachbarten College teil und hatte gerade eine Haftstrafe und seine Bewährungszeit hinter sich.
Alan erzählte mir, er sei, nachdem er erst in ein Erziehungsheim und dann in die Jugendstrafanstalt gesteckt worden war, so angewidert von sich selbst gewesen, dass er eine Rasierklinge genommen und sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte.
"Wissen Sie was, Mr. Schlatter", sagte er dann, "als ich da so lag und mir das Leben aus dem Körper rann, fiel mir plötzlich dieses blöde Zitat ein, das Sie mich früher einmal zwangigmal hintereinander schreiben ließen. >Es gibt kein Versagen, es sei denn, du gibst auf.< Plötzlich ergab das einen Sinn für mich. Solange ich lebte, war ich also kein Versager, wenn ich mich aber umbrachte, würde ich mit Sicherheit als Versager sterben. also rief ich mit all meinen verbliebenen Kräften um Hilfe und begann ein neues Leben."
Als Alan damals das Zitat gehört hatte, war es nur ein Kieselstein gewesen. Als er im kritischen Moment Hilfe brauchte, war es zu einem Diamanten geworden. Und so liegt es an Ihnen zu sagen: "Sammle alle Kieselsteine, die du finden kannst, so kannst du auf eine mit Diamanten gefüllte Zukunft zählen."
John Wayne Schlatter
Aus: "Noch mehr Hühnersuppe für die Seele"
Jack Canfield/Mark Victor Hansen
Mittwoch, 15. Juli 2009
Die innere Einstellung ist alles
Jerry war ein einzigartiger Geschäftsführer, und einige Kellner waren ihm deshalb sogar von Restaurant zu Restaurant gefolgt. Was sie an ihm mochten, war seine innere Einstellung. Er war der geborene Motivator. Wenn ein Mitarbeiter einen schlechten Tag hatte, half Jerry ihm dabei, die positiven Seiten des Lebens zu sehen.
Seine Art machte mich neugierig, und so sprach ich ihn eines Tages direkt darauf an:
"Eines verstehe ich nicht. Sie können doch nicht die ganze Zeit über positiv sein. Wie schaffen Sie das bloß?"
Jerry antwortete: "Jeden Morgen nach dem Aufwachen sage ich mir: >Jerry, du hast heute zwei Möglichkeiten. Du kannst dich entscheiden, gute oder schlechte Laune zu haben.<>Der hat keine Chance.<>Ja, ich bin auf etwas allergisch<, antwortete ich. Die Ärzte und Krankenschwestern hieltne inne, um meine Antwort zu hören. Ich atmete tief ein und schrie: >Auf Kugeln!<>Ich will leben. Operieren Sie mich nicht in dem Gedanken, ich sei schon tot."
Jerry überlebte dank der Kunstfertigkeit seiner Ärzte, aber auch wegen seiner bemerkenswerten Haltung. Von ihm habe ich gelernt, dass wir jeden Tag die Entscheidung treffen müssen, ob wir unser Leben aus voller Kraft leben wollen. Es kommt nur auf die innere Einstellung an.
Francie Baltazar-Schwartz
Gefunden in: "Noch mehr Hühnersüppchen für die Seele"
Jack Canfield/Mark Victor Hansen
Sonntag, 12. Juli 2009
Omas Garten
Ich allerdings wollte da nicht gleich mitspielen.
Man schickte mich zu meiner Großmutter, bei der ich vorübergehend wohnen sollte, als ich sechzehn Jahre alt war. Meine Eltern lebten in Übersee, und ich war ein sehr schwieriges Mädchen, voller Ärger über sie wegen ihrer Unfähigkeit, mit mir fertig zu werden oder mich zu verstehen. Ich war ein unglücklicher Teenager und drauf und dran, die Schule abzubrechen.
Oma war eine sehr kleine Frau, turmhoch überragt von ihren eigenen Kindern und deren noch nicht erwachsenen Sprösslingen. Und sie besaß eine klassische, altmodischen Anmut. Sie hatte dunkles Haar und eine elegante Frisur. Ihre klaren Augen waren von reinstem Blau; sie strahlten vor Energie und innerer Stärke. Sie war ihrer Familie gegenüber absolut loyal, und sie liebte so tief und aufrichtig wie ein Kind. Trotzdem war ich der Meinung, ich würde meine Großmutter leichter ignorieren können als meine Eltern.
Schweigend zog ich in ihr bescheidenes Bauernhaus ein; mit tief gesenktem Kopf und niedergeschlagenen Augen schlich ich umher wie ein misshandeltes Tier. In Bezug auf andere hatte ich resigniert und mir einen dicken Panzer zugelegt. Ich wollte einfach keiner anderen Seele den Zutritt zu meiner privaten Welt gestatten, denn meine größte Angst bestand darin, dass jemand meine wunden Punkte entdecken könnte. Ich war überzeugt, das Leben sei ein erbitterter Kampf, den man besser ohne fremde Hilfe durchfechten sollte.
Ich erwartete nichts von meiner Großmutter, als dass sie mich in Ruhe ließ, und beabsichtigte, ebendies und nichts sonst zu akzeptieren. Sie gab jedoch nicht so leicht auf.
Die Schule begann, aber ich nahm nur manchmal am Unterricht teil. Den Rest meiner Zeit verbrachte ich im Pyjama in meinem Schlafzimmer, wo ich gelangweilt in den laufenden Fernseher stierte. Ohne dies zu beachten, stürmte Oma jeden Morgen zu meiner Tür herein wie ein unwillkommener Sonnenstrahl.
"Guten Morgen!", flötete sie dann und zog fröhlich die Jalousien an meinem Fenster hoch, Ich zerrte mir meine Decke über den Kopf und ignorierte sie.
Wenn ich tatsächlich aus meinem Schlafzimmer hervorgekrochen kam, wurde ich von ihr mit einer Reihe gut gemeinter Fragen bombardiert, die meine Gesundheit, meine Gedanken und mein Ansichten über die Welt im Allgemeinen betrafen. Ich murmelte einsilbige Antworten, aber irgendwie ließ sie sich nicht entmutigen. Ja, genau genommen verhielt sie sich so, als ob meine geknurrten, bedeutungslosen Erwiderungen sie faszinierten. Sie hörte mir mit so viel Ernst und Interesse zu, als wären wir in ein intensives Gespräch vertieft, in dem ich gerade ein spannendes Geheimnis enthüllt hatte. Bei jenen seltenen Anlässen, wo ich zufällig mehr als bloß einsilbige Antwort gab, klatschte sie erfreut in die Hände und lächelte über das ganze Gesicht, als hätte ich ihr ein großartiges Geschenk gemacht.
Zunächst hatte ich den Verdacht, dass sie es einfach nicht kapierte. Doch obwohl sie keine besondere Schulbildung hatte, spürte ich, dass sie durchaus intelligent war. Sie hatte als Achtzehnjährige während der großen Depression geheiratet. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten hatte sie als Köchin gearbeitet, schließlich ein eigenes Restaurant eröffnet und nebenbei fünf Kinder großgezogen. Dabei hatte sie sich durchaus die nötigen Kenntnisse in Bezug auf das Leben angeeignet.
Darum hätte ich eigentlich nicht überrascht zu sein brauchen, als sie verlangte, ich solle lernen, Brot zu backen. Ich stellt mich beim Kneten derart dämlich an, dass Oma diesen Teil übernahm. Ich durfte aber die Küche erst verlassen, wenn der Brotteig zum Aufgehen hergerichtet war. In genau diesem Momenten, wo sie auf etwas anderes konzentriert war und ich den Blumengarten draußen vor dem Küchenfenster anstarrte, begann ich mit ihr zu reden. Sie hörte mit solcher Gespanntheit zu, dass ich hin und wieder ganz verlegen wurde.
Allmählich, während mir klar wurde, dass das Interesse meiner Großmutter an mir nicht nachließ, öffnete ich mich ihr immer mehr. Ich begann, mich insgeheim unbändig auf unsere Gespräche zu freuen.
Es schien, als sei ein Damm gebrochen. Plötzlich liebte ich es, zu reden. Ich begann, regenmäßig die Schule zu besuchen, und eilte jeden Nachmittag nach Hause, wo sie schon, in ihrem vertrauten Sessel sitzend, lächelnd darauf wartete, dass ich ihr detailliert über jede Minute meines Tages berichtete.
Eines Tages in meinem ersten Schuljahr auf der High School stürmte ich zur Tür herein und verkündete ihr: "Sie haben mich zur Chefredakteurin der High-School-Zeitung gewählt!
Meine Oma hielt den Atem an und schlug die Hände vor den Mund. Bewegter, als ich es hätte sein können, nahm sie meine beiden Hände in die ihren und drückte sie heftig. Ich sah ihr in die Augen, die wie verrückt funkelten. Sie sagte: "Ich hab dich sehr lieb, und bin sehr stolz auf dich!"
Ihre Worte trafen mich mit solcher Wucht, dass ich nicht antworten konnte. Diese Worte bewegten bei mir mehr als tausend "Ich-liebe-dich"-Beteuerungen. Ich wusste: Ihre Liebe war bedingungslos, doch ihre Freundschaft und ihren Stolz musste man sich verdienen. Dass ich beides von dieser unglaublichen Frau erhielt, löste in mir etwas aus. Ich begann, mich zu fragen, ob es denn tatsächlich etwas Liebenswertes und Wertvolles an mir gebe. Sie weckte in mir den Wunsch, mein eigenes Potenzial zu entdecken, und gab mir einen Grund, es zuzulassen, dass andere meine wunden Punkte kannten.
An diesem Tag beschloss ich zu versuchen, so zu leben wie sie - voller Energie und Intensität. Plötzlich entbrannte in mir das Verlangen, die Welt, mein Inneres und die Herzen anderer zu erkunden, so uneingeschränkt und bedingungslos zu lieben wie sie bisher. Und mir wurde klar, dass ich sie liebte - nicht weil sie meine Großmutter war, sondern weil sie eine wundervolle Person war, weil sie mir beigebracht hatte, wie man für sich selbst und für andere sorgt.
Meine Großmutter starb im Frühling, fast zwei Jahre nachdem ich gekommen war, um bei ihr zu wohnen, und zwei Monate, bevor ich an der High School die Abschlussprüfung bestand.
Sie starb umringt von ihren Kindern und Enkeln, die sich an den Händen hielten und eines von Liebe und Glück erfüllten Lebens gedachten. Bevor sie diese Welt verließ, beugte sich jeder von uns über ihr Bett und küsste sie zärtlich. Als ich an die Reihe kam, küsste ich sie sanft auf die Wange, nahm ihre Hand und flüsterte: "Ich hab ich sehr lieb, Oma, und ich bin sehr stolz auf dich!"
Jetzt, während ich mich auf meine Graduierung am College vorbereite, denke ich oft an die Worte meiner Großmutter, in der Hoffnung, dass sie noch immer stolz auf mich ist. Ich staune über die Güte und Geduld, mit der sie mir half, aus einer schwierigen Kindheit herauszukommen und zu einer friedvollen jungen Frau zu werden. Ich stelle mir Oma im Frühling vor, während die Tulpen in ihrem Garten und wir, ihre Sprösslinge, noch immer mit einer Begeisterung blühen, mit der nur ihre eigene sich messen kann. Und ich arbeite weiter, um sicherzustellen, dass sie nie enttäuscht wird.
Lynnette Curtis
Gefunden in: "Noch mehr Hühnersüppchen für die Seele" von Jack Canfield/Mark Victor Hansen
Viel zu oft suchen wir uns Vorbilder, die weit von uns entfernt sind und übersehen dabei die, die uns als Vorbild dienen könnten, welche in unserem unmittelbaren Umfeld leben.

